«Du wirst Maler!»
1965 kommt also der Unterleutnant Aleksej Pjaniza auf dem Flugplatz Tschkalowskij bei Moskau, in der Naehe von dem bekannten Swjosdny Gorodok / Sternenstaedtchen an. Der Flugplatz war ein Teil des Forschungsinstituts der Luftstreitkraefte und von System des Zentrums fuer die Vorbereitung der Astronauten. Heute ist das eine Filiale des Staatlichen Flugerprobungszentrums des Verteidigungsministeriums, ausserdem ist jetzt dieser Flughafen teilweise selbst fuer die Verkehrsluftschiffe offen. Damals aber lag die Hauptleitung des Instituts schon in Achtubinsk bei Astrakhan, und die Erprobungsbase war ein voellig geschlossenes Gelaende, wo die neusten Arten der Technik und Ausruestung ausprobiert wurden.
Das bildnerische Koennen des Leutnants Pjaniza wurden auch da benoetigt. Da passierten auch weiterhin die erstaunlichsten Ereignisse, die mit seiner Liebe zu bildender Kunst und ueberdurchschnittlichen Faehigkeiten verbunden sind. In seiner „Liste des Erbrachten" sind immer noch seine Wandzeitungen und Karten, Plakate und Anschauungsmaterialien, aber auch groessere Projekte enthalten. Einmal im Vorfeld einer bevorstehenden Wiederkehr der grossen sozialistischen Oktoberrevolution beauftragt ihn die Fuehrung, an der Fassade einer riesigen Transportflugzeughalle das Portrait von Wladimir Iljitsch Lenin zu malen. Ein Kranwagen mit einer Wiege, Eimer mit Farbe, ein grosses Farbspritzgeraet… Ein Portrait von dem Fuehrer des Weltproletariats auf der Flaeche von einigen hundert Quadratmetern ist ja keine banale Aufgabe. Doch Aleksej Trofimowitsch berechnet ganz akribisch alle Proportionen, markiert die Mauer der Halle und faengt mit der Arbeit an. Am Morgen kommt ein hochrangiger Beamter des Verteidigungsministeriums und der ausdrucksvolle Iljitsch zieht seinen Blick auf sich. „Wie ausdrucksvoll ist hier denn Lenin gelungen, wer ist denn euer Maler?" – fragt er. Daraufhin wird ihm der Leutnant Pjaniza vorgestellt und in kurzer Zeit arbeitet Pjaniza –nicht dient, sondern arbeitet – in der Hauptverwaltung der Fliegerkraefte der Sowjetunion.
...Jenes Durchsetzungsvermoegen war in meinem Vater. Er war ja in einem oeden Dorf geboren, in den Notjahren ernaehrte er sich nur von Fisch, Tag und Nacht, im Sommer und im Winter… und nun kam er in die Hauptverwaltung der Fliegerkraefte – und das nur aufgrund seiner persoenlichen Eigenschaften.

Wiktor Sarudnyj, der juengere Sohn

...Jenes Durchsetzungsvermoegen war in meinem Vater. Er war ja in einem oeden Dorf geboren, in den Notjahren ernaehrte er sich nur von Fisch, Tag und Nacht, im Sommer und im Winter… und nun kam er in die Hauptverwaltung der Fliegerkraefte – und das nur aufgrund seiner persoenlichen Eigenschaften.

Wiktor Sarudnyj, der juengere Sohn


...Ich wuerde nicht sagen, dass er seine Arbeit wie einen Zwang empfand, das natuerlich nicht. Er dachte sich ja sehr viel aus. Die heutigen Technologien sind anders, und damals hatte er verschiedene Muster, er schnitt etwas aus, fand Fachleute, die aus Plastik neue Muster machten… Und sehr viel dachte er sich selber aus.

Swetlana Sarudnaja, Ehefrau

Gerade waehrend des Dienstes auf dem Tschkalowski Flugplatz kam es zu einem Treffen, das ihn als Maler wahrscheinlich am meisten beeinflusst hat – ein Treffen mit Eduard Sarjanskij. Eduard war ein illustrierender Maler, der waehrend seiner langjaehrigen gestalterischen Karriere Hunderte, ja sogar Tausende von Buecher mit Illustrationen versehen hatte; er illustrierte die erste sowjetische Auflage „Herr der Ringe" von Ronald Reuel Tolkien, auch er war auch im Kino und im Theater aktiv taetig. Ein zufaelliges Treffen in der Ausstellung des Malers Wladimir Kanajewskij in einer der zahlreichen Werkstaetten in der Werchnjaja Maslowka Strasse, wo Aleksej Pjaniza mitgeholfen hat, Arbeiten aufzuhaengen, entwickelte sich allmaehlich zu einer festen Freundschaft.
Die Teilnahme des jungen Militaermannes und Malers – oder des Militaermalers – an dem eigenartigen Leben der Werkstaetten in der Maslowka und deren Insassen musste auf das Schicksal von Aleksej Trofimowitsch als Mensch und Maler auch einen Einfluss genommen haben. Das kreative Gemeinwesen wurde dort in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts geschaffen, und in den darauf folgenden Jahnzehnten, wurden dort viele Gebilde geschaffen, die heute die „Goldfons" in der Kollektion der Tretjakow-Galerie darstellen. Dort arbeiteten Grafiker und Kunstmaler, Bildhauer und Architekten aller Richtungen. Diese berauschende Mischung, mit maximal informeller Geselligkeit gewuerzt, verlieh den Geschmack der Freiheit in den nicht gerade freien Zeiten. Dieser Geschmack sollte fuer den jungen Mann aus einem oeden ukrainischen Dorf, der einen so starken Schaffensdrang empfand, viel erfrischender gewesen sein, als fuer die uebersaettigte Moskauer Boheme.
...Also ein Kumpel von mir und ich kamen hin und sahen Aljoscha, der dort geholfen hat, alles aufzuhaengen. Die Tische waren natuerlich gedeckt. Ljoscha nahm dort an allen Angelegenheiten an. So haben wir uns kennengelernt.

Eduard Sarjanskij, ein Freund und Lehrer

...Also ein Kumpel von mir und ich kamen hin und sahen Aljoscha, der dort geholfen hat, alles aufzuhaengen. Die Tische waren natuerlich gedeckt. Ljoscha nahm dort an allen Angelegenheiten an. So haben wir uns kennengelernt.

Eduard Sarjanskij, ein Freund und Lehrer
Malerin Tatjana Chwostenko schreibt in ihren Memoiren: „die Vorkriegs-Maslowka, ihre Insassen waehlten ihren Lebenskolorit, welcher in erster Linie den Geist der Einigkeit und Bruderschaft unter den Malern widerspiegelte". Und Wladimir Kanjewskij erzaehlt dem Kommentator der „Novaja Gazeta" („Neue Zeitung", Anm. d. Uebers.) nach vielen Jahren: „Man sagt, es waren Zeiten des Totalitarismus. Doch in der Moskauer Abteilung des Malerverbandes hatte man Maler selbst in diesen Zeiten gern. Selbst diejenigen, die man runtergemacht hat, hatte man gerne. Alle gewagten Ausstellungen wurden in der Moskauer Abteilung des Malerverbandes durchgefuehrt. In der Maslowka hatte man Einigkeit, eine eigene Stadt gefuehlt. Sie hiess ja auch so – „das Staedtchen der Maler". Vielleicht gerade dort, in jenem freien Staedtchen der Maler begann Aleksej Trofimowitsch, alle moeglichen Genre und Techniken zu probieren, was seinem Persoenlichen Naturell durchaus entsprach.
In Moskau lernte Aleksej Trofimowitsch Swetlana Uzhbanokowa kennen, sie war Studentin eines medizinischen Instituts und seine kuenftige Ehefrau, Freundin und eine der wichtigsten Bewunderer seiner Arbeiten fuer die langen 42 Jahren, bis zum Ende seines Lebens. Swetlana konnte jene Familienbasis, jenen „haeuslichen Rueckhalt" schaffen, den der impulsive Maler so sehr brauchte. Das Ehepaar zog zwei Kinder auf, Wladimir und Wiktor. Beide Kinder erbten von dem Vater diesen Drang, diese Faehigkeit, das gesetzte Ziel unabhaengig von den Umstaenden zu erreichen, aber nur der juengere Sohn wandelte auf den Spuren des Vaters und hat die Stroganow Akademie abgeschlossen.
...Er hat immer nach meiner Meinung gefragt. Wenn wir Ausstellungen besuchten, konnten unsere Meinungen verschieden sein. Aber er schenkte meiner Meinung immer sehr viel Aufmerksamkeit. Und, wissen Sie, es gibt Menschen, die sehr langsam malen. Und er hat alles sehr schnell gemacht. Eigentlich, wenn ich es jetzt in der Rueckschau betrachte, konnte man den Eindruck gewinnen, dass er sich beeilte, zu leben. Er beeilte sich wirklich zu leben.

Swetlana Sarudnaja, Ehefrau


...Er hat immer nach meiner Meinung gefragt. Wenn wir Ausstellungen besuchten, konnten unsere Meinungen verschieden sein. Aber er schenkte meiner Meinung immer sehr viel Aufmerksamkeit. Und, wissen Sie, es gibt Menschen, die sehr langsam malen. Und er hat alles sehr schnell gemacht. Eigentlich, wenn ich es jetzt in der Rueckschau betrachte, konnte man den Eindruck gewinnen, dass er sich beeilte, zu leben. Er beeilte sich wirklich zu leben.

Swetlana Sarudnaja, Ehefrau

Dass eine kuenstlerische Ausbildung noetig ist, auch in einem reifen Alter, davon wurde Aleksej Trofimowitsch von Eduard Sarjanskij 1976 ueberzeugt. Nach seinen eigenen Worten, glaubte der kuenftige Student der Stroganow Akademie gar nicht, dass man das Studium an der Akademie und den Dienst in den Streitkraeften der Sowjetunion miteinander verbinden koennte. Doch Sarjanskij erzaehlte ihm, dass in verschiedenen Bildungseinrichtungen auch verschiedene Programme existierten, gemaess einiger dieser Programme muessten Studenten und Lehrer gar nicht in einen persoenlichen Kontakt treten. Sarjanskij sagte seinem Freund Pjaniza: „Der Student malt zu Hause und sendet der Akademie seine Arbeiten. In der Akademie sind Maler, die diese Arbeiten betrachten, begutachten und zuruecksenden, samt Mitteilung, was der Student beachten soll usw."
Zwischen mehreren kuenstlerischen Schulen waehlt Aleksej Trofimowitsch die Stroganow Akademie. Man muss wissen, dass er nicht ganz wie ein Student aussah, und in der ersten Reihe stand nicht einmal das Alter. Zum Beispiel hatte er damals schon seine eigene Werkstatt in der Hauptstadt, gerade hinter dem Bolschoj Theater, neben der Kusnezkij Bruecke, in der Dimitrowskij Gasse. Abgesehen davon, dass er kein professioneller Maler war, sondern nur ein Amateur, waren seine Erfahrungen fuer die Verteidigungsbehoerde so wichtig, dass die Frage ohne jegliche Verzoegerungen geklaert wurde.

Sarjanskij musste seinem Freund jedoch helfen, damit er mit dem Abendstudium anfangen konnte. Pjaniza hatte damals gar keine akademischen Erfahrungen – er malte nach Gefuehl. Toepfe und Kruege, Aepfel und Blumen – das gehoerte zu dem inoffiziellen „Vorbereitungskurs", in dem Eduard ueber Symmetrie, Komposition, Licht und Schatten erzaehlte. Und der Abiturient zeigte wieder seine ueberdurchschnittlichen Faehigkeiten. „Also ich brachte ihm meine Bilder, er sah sie sich an und malte sie ab. Er machte es, als ob er modellierte, seine Bilder waren genauso wie meine. Man muss sagen, er hatte einen starken Drang… Wenn er malen lernen musste, war das mit der Ausgrabung eines Schachtes vergleichbar" – erzaehlte Sarjanskij ueber diese Zeit.
Ein anderes Problem – die Wahl der Fakultaet – war fuer Aleksej Trofimowitsch auch sehr schwer, weil er sich nur schwer konzentrieren konnte. Sarjanskij empfahl die leichteste Fakultaet: „Es ist unwichtig, welche Fakultaet du waehlst – wenn auch die Zuschneide- und Naehen-Fakultaet! Du wirst Maler! Niemand schreibt in dein Diplom – Maler der Zuschneide- und des Naehens-Fakultaet! In deinem Diplom wird „Maler" stehen!". Die leichteste Fakultaet war eine frischgegruendete Designerfakultaet. Das Wort „Design" an sich war fuer einen sowjetischen Menschen Ende 70-er Jahre unueblich. Aber die ersten Ausstellungen von Designern konnte man schon besuchen. Vielleicht spielte hier wieder der Wunsch von Aleksej Pjaniza eine Rolle, so verschiedene Bereiche wie Kunst und Technik, Impression und klare Berechnung, Planung und Improvisation zu verbinden und zu kombinieren.

Doch abgesehen vom Design und dem grossen Nutzen der Fakultaet, die Aleksej Trofimowitsch gewaehlt hatte, war Stroganows Schule (heutzutage Staatliche Moskauer kuenstlich-wirtschaftliche Stroganow Akademie) in erster Reihe eine klassische kuenstlerische Einrichtung. Die Notwendigkeit, akademische Faehigkeiten fuer Malerei und Zeichnung auf einer praktischen Basis zu begreifen, durch eine Vielzahl der Studien, Skizzen – das gehoerte zu der ersten bewussten und gestalteten Phase in der Kunst des Malers Aleksej Pjanizas, und diese Phase kann man mit Sicherheit als realistisch bezeichnen. Jeden freien Tag verbrachte er im Gruenen, in der Naehe von Moskau, mit einem Farbkasten und mit kleinen Kindern.

...Er nahm mich und Wladimir mit. Wir fuhren nach Suzdal, um Skizzen zu zeichnen. Vater nahm fuer sich einen normalen Farbkasten und fuer mich einen kleineren, ich war damals ca. 7 Jahre alt. Er malte bewusst und ich – wie es sich fuer ein kleines Kind gehoert. In derselben Zeit war ich wie ein Schwamm, der den Oel-, Farben- und Pinselgeruch einsaugte. Und Wladimir auch.

Wiktor Sarudnyj, der aeltere Sohn


...Er nahm mich und Wladimir mit. Wir fuhren nach Suzdal, um Skizzen zu zeichnen. Vater nahm fuer sich einen normalen Farbkasten und fuer mich einen kleineren, ich war damals ca. 7 Jahre alt. Er malte bewusst und ich – wie es sich fuer ein kleines Kind gehoert. In derselben Zeit war ich wie ein Schwamm, der den Oel-, Farben- und Pinselgeruch einsaugte. Und Wladimir auch.

Wiktor Sarudnyj, der aeltere Sohn
...Es gibt Menschen, die Fruehling, Sommer oder Winter lieben. Er liebte den Herbst. Wenn der goldene Herbst anbrach, sagte er immer: „Oh, man sollte mal irgendwohin Skizzen zeichnen fahren". Und er fuhr weg. Er konnte dort eine alte Oma kennenlernen und ein Zimmer mieten, dort leben, Skizzen zeichnen. Ich habe es immer ruhig hingenommen, ohne Schimpfen. Ich verstand, dass ein Mensch das machen muss, was er gerne macht.

Swetlana Sarudnaja, Ehefrau


...Es gibt Menschen, die Fruehling, Sommer oder Winter lieben. Er liebte den Herbst. Wenn der goldene Herbst anbrach, sagte er immer: „Oh, man sollte mal irgendwohin Skizzen zeichnen fahren". Und er fuhr weg. Er konnte dort eine alte Oma kennenlernen und ein Zimmer mieten, dort leben, Skizzen zeichnen. Ich habe es immer ruhig hingenommen, ohne Schimpfen. Ich verstand, dass ein Mensch das machen muss, was er gerne macht.

Swetlana Sarudnaja, Ehefrau

Das war aber die Zeit, wo er sich selbst als Maler gesucht hat. Eduart Sarjanskij stimmt zu: Pjanizas Malerei war typisch schuelerhaft, er uebte das, was gelehrt wurde. Als ob er seine ersten Schritte machte, wie ein Mensch, dem die Beine gebrochen wurden. Zu dieser Zeit gehoeren viele realistische akademische Portraits von Dienstgenossen, von der Militaerfuehrung. „Seine Arbeiten waren naturhaft, es war Landschaft. Und dort versuchte er, verschiedene Generale, seine Kumpels, zu malen. Malte auf die Bilder seine Kumpels …, - erinnerte sich Sarjanskij. – Das war typische Malerei, eine typisch schuelerhafte Malerei. Er malte, wie es gelehrt wurde, mit einer schoepferischen Taetigkeit hatte dies nichts zu tun."
Das war aber die Zeit, wo er sich selbst als Maler gesucht hat. Eduart Sarjanskij stimmt zu: Pjanizas Malerei war typisch schuelerhaft, er uebte das, was gelehrt wurde. Als ob er seine ersten Schritte machte, wie ein Mensch, dem die Beine gebrochen wurden. Zu dieser Zeit gehoeren viele realistische akademische Portraits von Dienstgenossen, von der Militaerfuehrung. „Seine Arbeiten waren naturhaft, es war Landschaft. Und dort versuchte er, verschiedene Generale, seine Kumpels, zu malen. Malte auf die Bilder seine Kumpels …, - erinnerte sich Sarjanskij. – Das war typische Malerei, eine typisch schuelerhafte Malerei. Er malte, wie es gelehrt wurde, mit einer schoepferischen Taetigkeit hatte dies nichts zu tun."
Doch Landschaften malte Aleksej Trofimowitsch immer wieder in all den kommenden Jahren, und irgendwann konnte er, wie sich sein Freund erinnert, die naturhaften Arbeiten auf dem Niveau von weltweit bekannten Malern wie Sawrasow und Mjasojedow malen. Sollte Pjaniza ausgerechnet diese Richtung einschlagen, wuerde er als Landschaftsmaler einen deutlich groesseren Ruhm ernten. Er fuehlte Struktur ausgezeichnet, und diese Faehigkeit, die Gestalte der Natur zu sehen und sie beinahe fotogenau zu malen, war nicht angeboren, sondern wurde in der Stroganow Akademie erworben.

...Er hatte ein gutes Auge. Dabei fuehlte er die Beschaffenheit. Struktur zu fuehlen kann man nicht erlernen. Man kann sein ganzes Leben lang lernen, wie man Farbe auf den Leinen legt – aber ohne Erfolg. Oder wie Maler manchmal ein angeborenes Gefuehl fuer die Aehnlichkeit haben. Einer malt – und das Portraet aehnelt dem Menschen bis ins Detail. Der andere malt – bemueht sich, misst etwas, versucht es anzugleichen – und es aehnelt doch nicht!

Eduard Sarjanskyj, ein Freund und Lehrer

Von den Naturzustaenden waren Uebergangszustaende fuer Aleksej Trofimowitsch von besonderem Interesse – die Phase zwischen Regen und Schnee, Fruehling und Winter, Absterben und Aufbluehen. Pfuetzen und matschiger Schnee, Waldsaum, kleine Dorfstrassen, Kirchen. Dabei bleibt die Mehrzahl seiner Arbeiten als Skizzen, weil sein Temperament ungezuegelt war – er konnte die in einem Anflug der Impression gemalte Skizzen auf die Leinwand nicht uebertragen und sich auf die Tafelmalerei konzentrieren da der Anflug schon vorbei war. Er musste nach dem Weggehenden greifen und es fixieren, aber nicht ganz fest, um die Moeglichkeit fuer Manoever, Bewegung, Insiration zu eroeffnen. „Farbe muss wie Sauersahne sein, sie muss matschen, sie muss in Pinselstriche gelegt werden" – sagte er.
Mit Portraets hat Alexej Pjaniza lange vor der Aufnahme in Stroganow Akademie angefangen. Er malte seine Freunde, Dienstgenossen, die Militaerfuehrung. In der Zeit des Studiums hat er die Faehigkeiten eines Portraeitmalers sehr gut entwickelt. Doch die Genauigkeit der Aehnlichkeit hat Aleksej Trofimowitsch in seiner ersten bewussten Schaffensphase gar nicht erfreut. „ Ich schaffe keine Portraits! Ich male, und es sieht nach einem Foto aus" – beklagte er sich bei seinem Freund Sarjanskyj. Sein Freund ueberzeugte ihn: diese realistische Weise aehnelt der der bekannten Portraetmaler des 19. Jahrhunderts, solchen, wie zum Beispiel Wasilij Surikow. Diese Weise ist natuerlich gut, aber fuer so ein Niveau braucht man jahrelang. Und was Pjaniza noch schwieriger fiel – sich auf eine Arbeit monatelang oder sogar jahrelang zu konzentrieren, planen, verbessern, aendern und vielleicht aufs Neue anfangen. „ Er war sehr schnell, - erinnerte sich Eduard Sarjanskij. – „Er musste alles in einem Guss machen. Ich sagte ihm, dass er da oder da etwas verbessern sollte. Aber er wollte das nicht mehr, er gluehte nicht mehr danach".
...Er entflammte sehr schnell, aber dieser Zustand verging bei ihm auch sehr schnell. Akademieabgaenger koennen jahrelang sitzen und wie Surikow an einem Gemaelde 15 Jahre lang arbeiten. Das gilt aber nicht fuer den Vater. Er brauchte 15-20 Minuten um zu sehen, einen Kick zu spueren, dieses Gluehen – und Paff! Schluss! Weglegen, etwas Neues machen. Und dieser Prozess beherrschte den Vater und auch alle, die in jenem Moment um ihn herum waren.

Wiktor Zarudyj, der juengere Sohn

...Er entflammte sehr schnell, aber dieser Zustand verging bei ihm auch sehr schnell. Akademieabgaenger koennen jahrelang sitzen und wie Surikow an einem Gemaelde 15 Jahre lang arbeiten. Das gilt aber nicht fuer den Vater. Er brauchte 15-20 Minuten um zu sehen, einen Kick zu spueren, dieses Gluehen – und Paff! Schluss! Weglegen, etwas Neues machen. Und dieser Prozess beherrschte den Vater und auch alle, die in jenem Moment um ihn herum waren.

Wiktor Zarudyj, der juengere Sohn